Christus König

In den Augen der alten Kirche war die französische Revolution die Ursünde der neuen Zeit. An die Stelle der göttlichen Ordnung trat der Gesellschaftsvertrag des Jean Jacques Rousseau. Verwirklicht wurde er erstmal in der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika, so wie es die Aufklärer des 18. Jahrhunderts mit Winkel und Zirkel gewünscht haben.


Das göttliche Recht – sei es geoffenbart oder als Naturrecht erschlossen – wurde schließlich durch das positive Recht ersetzt. Das positive Recht der Herrschenden – seien es Parlamente oder Diktatoren – ist grundsätzlich frei zu allen denkbaren Satzungen, wie etwa den Nürnberger Rassengesetzen oder der Euthanasie.


Das Fest „Christus König“, eingesetzt 1925 durch Papst Pius XI, erinnert daran, dass Gott allein der Herrscher der Welt ist und alles Recht von ihm kommt.

Das goldene Erbe

In der Schatzkammer des Petersdoms in Rom befinden sich viele Reliquien in kostbarer Fassung, die im Lauf der Jahrhunderte hier gesammelt wurden. Bei einigen seltenen Gelegenheiten werden sie auch beim Gottesdienst gezeigt, so zu Allerheiligen oder am Quatembersamstag in der Fastenzeit.

Dass sich die darin bewahrte Andacht, der Glaube und die Hoffnung vergangener Generationen den betrachtenden Menschen erschließen, war und bleibt immer ein unverdientes Geschenk der Gnade. Wer es nicht erhalten hat, soll sich deswegen nicht für klüger halten.

Jesus in radikaler Gesellschaft

Der Evangelist Lukas schildert die Verklärung Jesu am Berg Tabor:

„Und während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes und sein Gewand wurde leuchtend weiß. Und siehe, es redeten zwei Männer mit ihm. Es waren Mose und Elija“

Heute liebt man in der Religion sanfte Töne. Es soll aber daran erinnert werden, dass Mose und Elija auch harte Entscheidungen getroffen haben:

Er (Mose) sagte zu ihnen: So spricht der HERR, der Gott Israels: Jeder lege sein Schwert an. Zieht durch das Lager von Tor zu Tor! Jeder erschlage seinen Bruder, seinen Freund, seinen Nachbarn. Die Leviten taten, was Mose gesagt hatte. Vom Volk fielen an jenem Tag gegen dreitausend Mann. (2.Mose 32,27-28)

Elija aber befahl ihnen: Ergreift die Propheten des Baal! Keiner von ihnen soll entkommen. Man ergriff sie und Elija ließ sie zum Bach Kischon hinabführen und dort töten. (1.Könige 18,40)

Propheten und Saboteure

Die Propheten Israels sind keine gemütlichen Zeitgenossen. Sie skandalisieren, sie schreien gegen den Zeitgeist und die Könige, sie fordern und erschrecken. Sie sind die Anwälte einer höheren Gerechtigkeit, sie verlangen Umkehr und Buße. Sie sind aktuell und schrecklich konkret, sie scheuen vor keiner Anklage zurück.
Jeder biblische König hatte seinen Propheten bei und gegen sich. Samuel gegen Saul, Nathan gegen David, Elias gegen Ahab uns so fort.

Die evangelikale Kultur Amerikas liefert die Spur der Propheten auch an sehr unwahrscheinlicher Stelle.
In der Science Fiction gibt es Erzählungen zum – wie die Autoren glauben – notwendigen und andauernden Widerstandes gegen den Staat. A.E. van Vogt schilderte in „The Weapon Shops of Isher“ eine Gegenregierung, die Unterdrückte mit Waffen ausstattet und ihnen beisteht. Der große Frank Herbert erfand für sein ConSentiency-Universum den von der Regierung „bevollmächtigten oder Außerordentlichen Saboteur Jorj X. McKie“.

Die Schwermut Sauls

In der hebräischen Bibel ist von Besessenheit durch Geister kaum die Rede. Ein rares Beispiel gibt das Buch Samuel (1 Sam 16,14):
„Der Geist des Herrn war von Saul gewichen; jetzt quälte ihn ein böser Geist, der vom Herrn kam“
Das fett Gedruckte im hebräischen Original: רֽוּחַ־רָעָ֖ה מֵאֵ֥ת יְהוָֽה

Ganz anders aber in den Evangelien! Hier wimmelt es von Besessenen, die unter Geistern leiden, die allerdings nicht von Gott, sondern von Satan kommen. Auch Satan ist hier neu, er kommt in dieser Form in der hebräischen Bibel bekanntlich nicht vor.

Damit stellt sich die Frage, was sich im jüdischen (Volks)glauben in den letzten Jahrhunderten vor der Zeitenwende geändert hat.

Jakob am Jabbok

Warum steht diese höchst merkwürdige, spannende und gruselige Geschichte in der Bibel (Gen 32,23-33)?

Zur Erzählung gibt es eine Fülle von Auslegungen und Erklärungen, die oft mit erheblichem Aufwand tiefe Bedeutungen entwickeln.

Unbestritten ist die ätiologische Funktion, die den Ortsnamen Penuel (פְּנִיאֵל) und den neuen Namen Jakobs „Israel“ erklärt. Klar ist auch die Notwendigkeit den Charakter des Betrügers Jakob zu ändern, um die Logik der Erzählung weiter zu entwickeln.

Aber was soll das dramatische nächtliche Ringen mit einem übernatürlichen Wesen und der Erzwingung seines Segens? Diese Erzählung war nach Meinung einiger Fachleute wohl als volkstümliche Sage von der Begegnung mit einem babylonischen Flußgott im Umlauf. Was soll sie aber in der Bibel?

Dazu gibt es eine naheliegende, aber leider gar nicht fromme Erklärung: Diese Geschichte ist einfach zu gut, als dass ein Autor darauf verzichten wollte! Hier weht – respektlos gesagt – der „sens of wonder“. Deshalb hat sie der Autor in seine Erzählung eingebaut und funktional im Sinn der Botschaft verwendet.

Was es in der Thora nicht gibt

Es ist wenigen Christen klar, dass in den fünf Büchern Mosis von wesentlichen Aussagen des Christentums über die letzten Dinge keine Spur zu finden ist.

Wer stirbt, hat nach der Thora kein Gericht zu erwarten, er kommt weder in den Himmel, noch in die Hölle. Es gibt lediglich einen Ort der Toten (שְׁאֹ֑לָ) in der Tiefe (Num 16,33).

Sehr erstaunlich auch: Im Text kommt kein Teufel vor! Mit Satan (שָׂטָ֣ן) wird lediglich die Funktion jenes Engels bezeichnet, der Bileam aufhält (Num 22,22).

Wer die Thora (als Christ) liest, muss sich also von Erwartungen trennen und den Text so lesen, wie er da steht! Er darf nichts hineinlesen, was er als selbstverständlich erwartet. Das ist nicht so leicht, wie es sich anhört!

Hiobs Leiden und Gottes Antwort

Nach Christine Hayes kann man dem Buch Hiob einige erstaunliche Aussagen entnehmen.

Der Herr verwirft sowohl die Behauptungen seiner Freunde, dass es Hiob schlecht gehe, weil er gesündigt habe, als auch Hiobs Forderung nach Gerechtigkeit. Die Freunde haben doppelt unrecht, denn Hiob hat nicht gesündigt und wenn, selbst aus Sünden folgen keine Strafen im Leben. Hiob hat unrecht, weil er haben will, dass das Prinzip der Konsequenz gelten möge, was wegen seiner Gerechtigkeit zur Belohnung im Leben führen sollte.

Der Herr verneint die Regel, dass Gute im Leben belohnt und Böse im Leben bestraft werden. Er verweist auf die Erhabenheit der Schöpfung, die dem Menschen unverständlich bleibt.

Hiob hingegen gewinnt die Einsicht, dass die Gerechtigkeit des Menschen ihre Würde in sich selbst trägt. Er will gerecht um der Gerechtigkeit willen sein,