Jakob am Jabbok

Warum steht diese höchst merkwürdige, spannende und gruselige Geschichte in der Bibel (Gen 32,23-33)?

Zur Erzählung gibt es eine Fülle von Auslegungen und Erklärungen, die oft mit erheblichem Aufwand tiefe Bedeutungen entwickeln.

Unbestritten ist die ätiologische Funktion, die den Ortsnamen Penuel (פְּנִיאֵל) und den neuen Namen Jakobs „Israel“ erklärt. Klar ist auch die Notwendigkeit den Charakter des Betrügers Jakob zu ändern, um die Logik der Erzählung weiter zu entwickeln.

Aber was soll das dramatische nächtliche Ringen mit einem übernatürlichen Wesen und der Erzwingung seines Segens? Diese Erzählung war nach Meinung einiger Fachleute wohl als volkstümliche Sage von der Begegnung mit einem babylonischen Flußgott im Umlauf. Was soll sie aber in der Bibel?

Dazu gibt es eine naheliegende, aber leider gar nicht fromme Erklärung: Diese Geschichte ist einfach zu gut, als dass ein Autor darauf verzichten wollte! Hier weht – respektlos gesagt – der „sens of wonder“. Deshalb hat sie der Autor in seine Erzählung eingebaut und funktional im Sinn der Botschaft verwendet.