Wurzeln christlicher Gebete in den Sefirot

Im Buch Chronik der Bibel sagt König David (1 Chr 29,11-12):

Dein, Herr, sind Größe und Kraft, Ruhm und Glanz und Hoheit; dein ist alles im Himmel und auf Erden. Herr, dein ist das Königtum. Du erhebst dich als Haupt über alles. 

Reichtum und Ehre kommen von dir; du bist der Herrscher über das All. In deiner Hand liegen Kraft und Stärke; von deiner Hand kommt alle Größe und Macht.

Ausgehend davon entwickelten jüdische Gelehrte des Mittelalters das Konzept des sefirotischen Baumes, in dem die Eigenschaften Gottes als Basis weitgehender Spekulationen  dargestellt werden. Diese Lehre wurde Kabbalah genannt und ist geistesgeschichtlich von grosser Bedeutung.

Bildschirmfoto 2018-06-11 um 15.28.38.png

Erläuterung (Wikipedia):

  •     Kether  (Krone, erster aufleuchtender Punkt im En Sof)
  •     Chochmah (göttliche Weisheit, Klugheit, Geschicklichkeit, Schöpfungsplan)
  •     Binah (Wille, Einsicht, Verstand; Intelligenz)
  •     Chesed (Liebe, Barmherzigkeit, Gnade, Gunst, Treue)
  •     Din, Gevurah oder Gebura (Gesetz, Stärke, Macht, Sieg, Gerechtigkeit)
  •     Tiferet (Aufrechterhaltung des Daseins, Pracht, Verherrlichung, Schönheit),
  •     Netzach (Ewigkeit, Beständigkeit, Sieg; Ruhm, Blut, Saft)
  •     Hod (Glanz, Majestät, Donner)
  •     Jesod (Fundament, Gründung, Grund, Grundstein, Grundlage), Josef
  •     Malchuth oder Schechina (Königreich, Herrschaft, königliche Würde, Regierung)       

Interessant ist, dass sich davon mehrere Begriffe in den christlichen Grundgebeten  finden. In der Schlusszeile der aktuellen Fassung des  Vaterunsers steht: Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit, Amen.

כִּי לְךָ הַמַּמְלָכָה וְהַגְּבוּרָה וְהַתִפְאֶרֶת לְעוֹלְמֵי עוֹלָמִים אָמֵן

 Transkribiert: Ke lakha, hamamlakha, vehagevurah, veha tiferet l’olemei ‘olamim.

Also mamlakha für Reich, gevurah für Kraft und tiferet für Herrlichkeit. Mamlakha bedeutet Königreich, entspricht also malchut.

In der zweiten Zeile des Ave Maria: Voll der Gnade..

מלאת  החסד

Wieder transkribiert aus dem Hebräischen: meleat hachesed. Also chesed für Gnade.

Die Wurzeln der christlichen Gebete liegen selbstverständlich in jüdischen Traditionen!

Advertisements