Was ist bildende Kunst?

Bekanntlich gibt es in unserem Kulturraum derzeit keine allgemein akzeptierte Definition von bildender Kunst, was gegenüber einer belastenden Vergangenheit durchaus etwas Tröstliches hat.
Pragmatisch kann man sagen, dass Kunst heute das ist, was im Kunsthandel und den Medien als solche gezeigt wird. Kunst ist also augenscheinlich ein soziologisch und ökonomisch bestimmtes Phänomen.
Ein Hammer mit Preiszettel in einem Baumarkt ist ein Gebrauchsgegenstand, ein Hammer in einer Galerie kann heute und hier ein Kunstwerk sein, wenn er als solches beschriftet ist. Bei mangelnder Präsentation im Museum ist es daher bereits mehrfach vorgekommen, dass das Kunstwerk (etwa von Joseph Heinrich Beuys) bei der täglichen Reinigung entsorgt wird.

Was unterscheidet also (seit Marcel Duchamp, 1917) den Gebrauchsgegenstand vom Kunstwerk? Augenscheinlich ist es das definierende Umfeld!
In der Sprache der aristotelischen Philosophie ist das Kunstwerk in unserem Kontext also nicht durch seine „Akzidenz“, sondern durch seine „Substanz“ als solches erkennbar. Man kann einem Objekt nicht ansehen, ob es Kunst im modernen Sinn ist, es ist eine Sache der normativen Definition!
Allerdings kann man in einem zweiten Schritt dann fragen, nach welchen Kriterien die normativen Definierer vorgehen. Gibt es jenseits des Kommerzes und allfälliger verschwörungstheoretisch relevanter Ideologien auch „reine“ (intrinsische) Motive?
Ein Diskussionsansatz könnte dazu die Definition der Bildhauerei von Tony Cragg sein:

Sie sei eine seltene Nutzung von Material, frei von Funktion. Die Künstler geben dem Material erst „eine Bedeutung und auch einen Sinn“ (Eröffnung der Ausstellung „Die Bildhauer in der Kunstsammlung NRW, 2013)

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