Anathema

Ich möchte hier nicht die historische Entwicklung des Gebrauchs des „anathema sit“ (ἀνάϑεμα ἔστω) in der römischen Kirche darstellen. Das ist zwar verlockend, weil es von Paulus bis zum Vaticanum II geht, also von der (potentiell tödlichen) Ausgrenzung bis hin zum Verzicht auf dieses Instrument.
Vielmehr möchte ich, anknüpfend an die Verwendung in der Orthodoxie, eine Empfehlung für die Führung rationaler Diskussionen geben. Bekanntlich verwendet die Ostkirche das „anathema“ (sprachlich sicher korrekt) nicht als Verfluchung, sondern der davon Betroffene wird außerhalb der Kirche sich selbst überlassen.

Jeder Teinehmer an einem Streitgespräch mag es erlebt haben, dass Argumente verwendet werden, die im logischen Sinn keine sind und sich damit dem rationalen Diskurs entziehen. Der rationale Diskutant steht dann hilflos vor einer Mauer arroganter und aggressiver Unbelehrbarkeit.

Dazu als Beispiel der Fall, dass jemand behauptet, er habe das Problem der Winkeldreiteilung durch klassische Konstruktion gelöst (was bekanntlich seit zweihundert Jahren als unmöglich bewiesen ist).

Gegen dieses Verlassen des gemeinsamen Bodens des common sense und des folgerichtigen Sprachgebrauchs (im Sinne Wittgensteins) gibt es nur ein Mittel, nämlich genau dieses Faktum in der Diskussion öffentlich festzustellen!

Also nach kirchlichem Beispiel: „Wer das sagt, anathema sit!“ Das soll dann bedeuten, dass der, der so redet, den gemeinsamen Boden der Diskussion verlassen hat, womit sich eine weitere Diskussion erübrigt, da sie nicht mehr möglich ist!

Das läßt aber auch die Hoffnung auf spätere Einsicht und Fortsetzung des Gesprächs offen!

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