Der Gottesbeweis des Kurt Gödel

Anselmo d’Aosta, den wir Anselm von Canterbury zu nennen gewohnt sind (was viel über unsere lokale Tradition und Lehre aussagt) entwickelte den sogenannten ontologischen Gottesbeweis. Darin versuchte er zu zeigen, dass aus der Idee eines höchsten Wesens notwendig dessen Existenz folgen müsse. Bereits Thomas von Aquin kritisierte den Gedankengang und seit Immanuel Kant die Fehlerhaftigkeit des Beweises glasklar aufgezeigt haben wollte, glaubt jeder Intellektuelle darüber lächeln zu müssen.
Der größte Logiker des zwanzigsten Jahrhunderts, Kurt Goedel (1906 – 1978), der Macht und Ohnmacht der axiomatischen Methode in bewundernswerter Weise aufgezeigt und bewiesen hat, beschäftigte sich lange mit Anselms Gedankengang. Er publizierte dazu aber nichts, da er fürchtete für naiv gläubig gehalten zu werden, obwohl er doch nur bewiesen habe, dass Anselms Gedankengang logisch einwandfrei sei. Erst 1987 wurde erstmals sein rekonstruierter Anselmscher Beweis veröffentlicht. Darin wird formal und axiomatisch Anselm rehabilitiert. Nachprüfungen (mit Hilfe eines computerbasierten Logikprogramms) dieses von Gödel in der Sprache der Modallogik formulierten Satzes ergaben seine zweifelsfreie Richtigkeit.
Kurt Gödel begann seine Argumentation mit der Klassifikation von Eigenschaften, er definiert rein formal eine Eigenschaft als „positiv“, wenn ihre Negation nicht „positiv“ ist. Gödel zeigt dann, dass die Kombination aller positiven Eigenschaften einer Entität widerspruchsfrei zugeordnet werden kann. Weiters zeigt er, dass diese Entität im Sinn der Modallogik nicht nur möglich, sondern sogar notwendig ist. Eine Entität, die alle positiven Eigenschaften besitzt, existiert also notwendig und auch einzig.
Wie man dann die modallogisch notwendige Existenz einer Entität mit allen positiven Eigenschaften theologisch einordnen soll, wäre eine wichtige Aufgabe der Theologie. Mir ist nicht bekannt, dass ein katholischer Theologe von Rang sich damit beschäftigt hätte. Das betrübt mich.

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