Der Geist der Renaissance

In seinem Roman „Leonardo da Vinci“ zeigte Dmitri Sergejewitsch Mereschkowski sehr schön jene Seite der Renaissance, die üblicherweise undiskutiert bleibt, nämlich ihre Vorliebe für Magie und neuplatonische Spekulation. Wiewohl das Werk in hoher Auflage verbreitet und auch von prominenten Autoren wie Thomas Mann gern gelesen wurde, hat es – ganz im Gegensatz zu Washington Irvings „Columbus“ keine Spur in der veröffentlichten Meinung hinterlassen. Dessen fiktive Kolumbus-Biografie begründete ja den bis heute ebenso weit verbreiteten, wie unhistorischen Glauben,  Gelehrte des fünfzehnten Jahrhunderts hätten sich die Erde nicht als Kugel, sondern als flache Scheibe vorgestellt, und Kolumbus habe mit seiner Fahrt nach Westen das Gegenteil beweisen wollen.

Dagegen  halten Journalisten trotz Mereschkowskis Roman das Rinascimento für eine Hochzeit der reinen Naturwissenschaft und aufgeklärten Vernunft. Kein Wort von Zauberei und Hexenglauben, die man noch immer fälschlich im Mittelalter verortet. Dass Marsilio Ficino im Auftrag Cosimo de Medicis zuerst als Wesentlichstes das Corpus Hermeticum (daraus im Bild Hermes Trismegistos im Dom zu Siena!) und nicht etwa mathematische Schriften übersetzt hat ist ihnen genau so unbekannt wie sein Name.
Wer diese Zeit kennen lernen will, muss Autoren wie Agrippa von Nettesheim, Trithemius oder Pico della Mirandola lesen. Er wird sich wundern!

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