Eton und die Grandes écoles

Großbritannien und Frankreich, Nationen mit traditionell hohem Selbstwertgefühl, haben grundverschiedene Erziehungsphilosophien bezüglich ihrer Eliten. In beiden Ländern weiß man aber, wie wichtig Eliten und ihre Ergänzung sind.
Seit den Tagen der französischen Revolution steht in Frankreich allen Studenten, die das „bac“ erworben haben, der Zugang zum concours (Wettbewerb) offen, wo in fairer Konkurrenz die Studienplätze der Grandes écoles (Elite-Universitäten) vergeben werden. Dieses System der Auswahl durch maximale Anstrengung und Leistung gewährleistet den kontinuierlichen Nachwuchs einer hochqualifizierten Elite. Unbestritten im Land der Erfindung „linker“ Politik wird etwas praktiziert, was in Österreich oder Deutschland von (fast ausschließlich linken) Erziehungswissenschaftlern verabscheut wird.
In England ist es fundamental anders. Eltern, die Geld und Ehrgeiz haben, schicken ihre (kleinen) Kinder in ein Internat (wie etwa das berühmte Eton bei Windsor Castle). Das ist immens teuer, den Kindern wird dort Sport und der Umgangston der regierenden Klasse vermittelt; was man im akademischen Bereich lernt, ist sekundär. Wer „Old Boy“ (Absolvent) von Eton ist, hat es geschafft. Das ist für einen deutschsprachigen Pädagogen natürlich noch schlimmer (Klassengesellschaft!).
Beide Systeme funktionieren hervorragend, beide Nationen sind erfolgreich und verstehen sich als „groß“.
Dieser einfache Vergleich zeigt, dass erfolgreiche Erziehung augenscheinlich ein „lokales“ Phänomen ist. Das bedeutet, dass man Erziehung immer im Kontext der jeweiligen Gesellschaft bewerten muss.

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