Konfuzius über die Kleidung (Gia Yü)

Confucius_the_scholar

Aus dem Gia Yü von Meister Kung:

Herzog Ai fragte und sprach: »Gürtel und Klunkern und Gelehrtenbaretts, haben die einen Wert für die Sittlichkeit?« Meister Kung wurde ernst und erwiderte: »Weshalb also, o Fürst! Wer in Sack und Strohsandalen geht und den Trauerstab in der Hand hat, dem ist es nicht um Musik zu tun. Nicht daß sein Ohr nicht hörte, sondern die Kleider machen es. Wer mit feierlichen Opfergewändern angetan ist, der duldet keine Vertraulichkeit und Nachlässigkeit. Nicht daß er von Natur Hoheit und Würde besäße, sondern die Kleider machen es. Wer Rüstung und Helm trägt und eine Lanze in der Hand hält, empfindet nicht Nachgiebigkeit und Furcht. Nicht daß er eine Verkörperung reiner Wildheit wäre, sondern die Kleider machen es. Auch habe ich gehört: Wer sich gerne in den Verkaufsbuden des Marktes aufhält, der hält keinen Abbruch des Gewinnes aus, und umgekehrt treiben würdige Leute keine Marktgeschäfte. Daraus möchte ich annehmen, dass Ihr selbst beurteilen könnt, ob die Kleidung von Wert ist oder nicht, o Fürst!«

Diese fundamentalen Einsichten sind in unserer (lokalen!) Kultur verloren gegangen. Sogenannte Intellektuelle und Fortschrittliche gefallen sich in verwahrloster Kleidung bei festlichen Anlässen. Ob sie vielleicht Kyniker, also Anhänger von Diogenes sind oder einfach nur Rüpel, darüber kann diskutiert werden.

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