Der Mythos der Naturwissenschaften

In meiner Studienzeit an der Universität Innsbruck gab es für kurze Zeit ein Diskussionsforum (sieben Jahre vor 1968!) darüber, wie weit Theologie eine Wissenschaft sei. Dabei wurde im Wesentlichen (vom Mathematiker Wolfgang Gröbner gegen den berühmteren Theologen Karl Rahner) damit argumentiert, dass Theologie auf Axiomen aufbaue, die geglaubt werden müssten, während die Naturwissenschaft voraussetzungsfrei wäre. Ich (obwohl oder besser weil ich Physikstudent war) brachte damals das Argument ein, dass der Naturwissenschaftler beim „Schluss“ vom vergangenen Experiment auf die künftige Anwendung ebenfalls auf seinen Glauben angewiesen wäre. Ich habe meine Meinung seit damals in diesem Punkt nicht geändert. Nach meiner Überzeugung ist ohne das Fundament gewisser Grundannahmen nichts möglich, sei es in der Naturwissenschaft oder sogar in der Mathematik.

In einem Buch auf Scribd habe  ich diese Position für den Fall der Physik genauer dargelegt. Ich glaube, dass das zwar dem „working scientist“ sehr egal sein wird, dem Lehrer der Naturwissenschaften darf es aber nicht gleichgültig sein. Physik im Bildungskanon muss mehr bieten können als Rechenrezepte. Darüber hinaus möchte ich ansprechen, dass auch die Wissenschaft Physik von Menschen entwickelt worden und damit den Begrenzungen der menschlichen Natur unterworfen ist. Allen Physikern möchte ich dringend empfehlen, sich der Vorläufigkeit und Gefährdung ihrer Ergebnisse klar bewusst zu sein. Hochmut ist nicht angebracht.

Um mit den Worten aus dem Canto LXXXI von Ezra Pound zu sprechen: „Pull down thy vanity, I say pull down

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