Hohenemser Festtafel

In der Residenzgalerie Salzburg wird derzeit (2018) eine Ausstellung zum Thema  Fürsterzbischof Wolf Dietrich  von Raitenau gezeigt. Darunter die Kopie eines Gemäldes von Anthony Bays  „Die  Hohenemser Festtafel“ von 1578. Dieses Bild stellt die gräfliche Familie von Hohenems mit Wolf Dietrich als Kind dar. Interessant daraus für mich ein Ausschnitt:

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Die Dame in der Mitte isst mit Gabel und Messer. Das ist für diese Zeit sehr elegant und exklusiv, der Gebrauch von Gabeln war zu dieser Zeit ungewöhnlich. Darüber hinaus strahlt diese Darstellung den Glanz der Gesellschaft höflicher und gebildeter Damen und Herren aus, wie man ihn in unseren grobianischen Zeiten kaum mehr findet.

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Eine Reise von Magiern aus dem Morgenland nach Rom

Statue équestre de Bahram Gur
Statue équestre de Bahram Gur, Rocher de Taq-e Bostan, Kermanshah, Iran

In langen Verhandlungen hatte man geklärt, dass der parthische Großkönig den armenischen König ernennen konnte, dieser aber dann der römischen Bestätigung bedurfte. Im Jahre 66 reiste also König Tiridates I auf dem Landweg über den Balkan nach Rom, um dort von Kaiser Nero das Diadem zu erhalten. Auf seiner neun Monate dauernden Reise begleitete ihn ein prächtiges Gefolge, darunter 3000 parthische Reiter (wohl auch Panzerreiter – Kataphrakte, die Urbilder unserer Ritter). Tiridates und Verwandte waren auch Magi – zoroastrische Priester. Nach der glanzvollen Huldigungszeremonie kehrte der König auf einem anderen Weg in seine Heimat zurück. Diese Reise beeindruckte die Öffentlichkeit so sehr, dass sie noch heute aus den erhaltenen Texten (darunter auch Cassius Dio) gut rekonstruierbar ist.

Ein Postscriptum zur Bibelübersetzung

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In der Übersetzung von Genesis 1,5 schreibt man  nach Luther :“Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag“ während Hieronymus von „dies unus“ (ein Tag) sprach. אֶחָֽד ist aber nach bibelhebräischer Grammatik eine Kardinal- und keine Ordinalzahl, womit Luther und die Einheitsübersetzung irren.

Wäre die Bibelsprache akkadisch, so  würde sich das Thema der Übersetzung von אֶחָֽד in Genesis 1,5  erübrigen. In der akkadischen Sprache gilt nämlich, dass im Fall der Eins die Ordnungszahl und die Kardinalzahl gleichlauten. Damit hätte dann Luther mit seiner Übersetzung genauso recht wie Hieronymus. Wenn nun auch die Endredaktion des Schöpfungsberichts des Elohisten im akkadischsprachigen Babylon (mit seinem Mythos Enūma eliš) erfolgt sein dürfte, so ist doch die Vermutung einer „Grammatik-Assimilation“ sehr exotisch!

Luther kann übrigens vom Akkadischen nichts gewusst haben, es wurde erst im 19. Jahrhundert wieder erschlossen.

 

 

 

Die Tradition des Anachronismus

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In der christlichen bildenden Kunst war es – nicht nur in der naiven Volkskunst – schon immer üblich, historische Ereignisse im zeitgenössischen Kleid darzustellen. Das Hochmittelalter liefert dazu eine wahre Fundgrube von Anachronismen, diese Manier setzt sich in der Renaissance fort und gipfelt im Barock. Die Künstler der Romantik verstanden die Kraft dieser blutvollen Aneignung nicht mehr, kritisierten sie und versuchten Anachronismen zu vermeiden, was meist katastrophal scheiterte, wie auch dann in logischer Fortsetzung der amerikanische Film das Bild der Antike verfehlte.

Das wahrhaft Interessante daran ist die Tatsache, dass Sehgewohnheiten, die sich eingeprägt haben, auch gegen besseres Wissen dominant bleiben. So bleiben antike Statuen und Tempel weiterhin monochrom, auch wenn inzwischen die grelle Buntheit der Originale allgemein bekannt geworden ist. In besonderer Weise gilt das im religiösen Bereich, der seiner Natur nach zur frommen Bewahrung neigt.

Ein wunderbares Beispiel dafür ist die Darstellung des heiligen Nikolaus von Myra in der Kunst der römischen Kirche. Nikolaus trägt dabei immer eine Bischofsmütze, eine Mitra. Nun muss man wissen, dass die Mitra erst seit dem 12. Jahrhundert üblich wird, Nikolaus aber vor 370 gestorben ist! Trotzdem ist ein Schokolade-Nikolaus ohne Mitra völlig unverkäuflich! Die anachronistische Darstellung ist zur Gewohnheit, also zur Tradition und damit zur normativen Wahrheit geworden.

Dieses Beispiel ist harmlos, es gibt allerdings andere Beispiele mit bedeutenden Konsequenzen. Auch Meinungen, die Produkt einer späteren Zeit waren, wurden in anachronistischer Projektion den kanonischen Anfangsautoritäten zugeschrieben und haben sich dann durch lange Praxis felsenfest eingenistet.

Wie übersetzt man die Bibel?

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In Genesis 1,5 steht (Biblia Hebraica Stuttgartensia, Septuaginta, Vulgata, Luther):

וַיִּקְרָ֨א אֱלֹהִ֤ים׀ לָאֹור֙ יֹ֔ום וְלַחֹ֖שֶׁךְ קָ֣רָא לָ֑יְלָה וַֽיְהִי־עֶ֥רֶב וַֽיְהִי־בֹ֖קֶר יֹ֥ום אֶחָֽד

καὶ ἐκάλεσεν ὁ θεὸς τὸ φῶς ἡμέραν καὶ τὸ σκότος ἐκάλεσεν νύκτα. καὶ ἐγένετο ἑσπέρα καὶ ἐγένετο πρωί, ἡμέρα μία.

appellavitque lucem diem et tenebras noctem factumque est vespere et mane dies unus

und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.

Im hebräischen, griechischen und lateinischen alten Text steht „Tag eins“ oder „ein Tag“, bei Luther und fast allen neueren Übersetzungen aber „der erste Tag“. Es wird die Kardinalzahl durch die Ordinalzahl ersetzt, was noch dazu logisch erscheint, weil in den alten Texten im Folgenden „der zweite Tag“, „dritte Tag“ usw. steht. Wer autorisiert aber den Übersetzer zu dieser „Verbesserung“? Es ist offenbar der Glaube daran, dass man den schludrigen alten Text korrigieren muss!

Nun sollte aber jedem Fachmann bekannt sein, dass dieser biblische Teil augenscheinlich mit geradezu unheimlicher Präzision  komponiert worden ist. Der Autor wird daher seinen Grund gehabt haben, so und nicht anders zu schreiben. Die Tatsache, dass wir diesen Grund nicht kennen, autorisiert uns nicht dazu diese „Auffälligkeit“ zu glätten! Früher konnte man erwidern, dass der Text „verdorben“ sei, bei heutiger Quellenlage ist dieser Einwand an dieser Stelle Unfug.

Meine Antwort auf die Frage in der Überschrift lautet also: Man übersetze präzise und mit Respekt vor dem Original, auch dann, wenn es nicht einsichtig ist, warum etwas so und nicht anders formuliert wurde.

Wer kennt Lavinia und Sofonisba?

Papst Gregor XIII und König Philipp II von Spanien, Partner beim Sieg von Lepanto wurden von den bedeutendsten Künstlern ihrer Zeit porträtiert. Das Bild Gregors in der Wikipedia stammt von Lavinia Fontana, das Bild Philipps von Sofonisba Anguissola. Sollten sie diese Künstlerinnen kennen, so darf ich ihnen zu ihrer ausgezeichneten und vorurteilsfreien Bildung herzlich gratulieren, wir anderen wurden Opfer des misogynen Kunstklüngels der letzten Jahrhunderte.

Ausgezeichnet passt dazu, dass in der monumentalen Time-Life Serie „Die Welt der Kunst“ noch 1977 zwar Orazio Gentileschi, aber nicht seine – zu ihrer Zeit weit bekanntere – Tochter Artemisia erwähnt wurde.

Während die Herrscher des 16. Jahrhunderts augenscheinlich über eigenständigen Kunstgeschmack verfügten, so haben die Kunsthistoriker seit der Romantik, die die Kunst zum Religionsersatz stilisierten, Frauen ganz im Sinne Schopenhauers eliminiert. Das 19. Jahrhundert glaubte zu wissen, dass Frauen zu höherer Kultur aktiv und passiv unfähig seien. Was für ein Skandal, dass das noch immer tradiert wird. Wie schön, dass sich in der Wikipedia neue und gerechte Ansätze finden lassen.

 

Ist Gott tot?

Nietzsche in Turin

Warum ein Philosoph glauben will, dass Gott tot sei:

weil er seine Freiheit nicht durch eine übergeordnete Macht eingeschränkt sehen will
weil er die augenscheinliche Unverfügbarkeit Gottes als dessen Abwesenheit deutet
weil er glaubt, dass der Lauf der Welt jeglichen Sinns entbehre
weil er glaubt Gott die Schande Auschwitz ersparen zu müssen
weil er Christus, der ihm begegnet ist, nicht erkannt hat